Über die wesentlichen Entwicklungen im Geschäftsjahr 2015 und zukünftige Vorhaben informierten sich zahlreiche Aktionärsvertreter bei der Hauptversammlung der EnBW ODR. Begrüßt wurden sie durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Steffen Ringwald. Laut Vorstand Frank Hose stehe der Ausbau der Windkraftanlagen in der Region im Fokus. Allein für die ODR und die EnBW sicherte man sich Flächen für bis zu 50 Windkraftanlagen. Bis 2020 werden die Windparks in der Region große Strommengen mit hohen Leistungsspitzen erzeugen. Dadurch müssen die Verteilnetze, insbesondere die Hoch- und Mittelspannungsnetze weiter ausgebaut und verstärkt werden.

Da die Kunden ihren selbst erzeugten Strom immer mehr selbst nutzen wollen, fragen sie vermehrt nach intelligenten Energiemanagementsystemen und Speicherlösungen. Die Anforderungen an neue Techniken und Prozesse im Bereich der Energieversorgungs- und IT-Abwicklungssysteme, der Netzinfrastruktur und -steuerung werden laut Hose immer anspruchsvoller und komplexer. Die Nachfrage nach digitalen Produkten wachse. Innovative digitale Dienstleistungen und Produkte steigern Absatz und Ertrag, digitale Anwendungen ermöglichen neue Geschäftsmodelle und schlankere, Ressourcen schonende Prozesse, führt Hose dazu aus.

„Die Basis unseres Geschäfts sind die Verteilnetze“, so Hose. 60 Prozent ihres Ergebnisses erwirtschafte die ODR aus den Investitionen in ihre Gas- und Stromnetze und deren Betrieb und Instandhaltung. Als wichtiger Arbeitgeber schaffe die ODR auch eine hohe Wertschöpfung in der Region. Im letzten Jahr flossen 41 Millionen Euro über den Einkauf von Lieferungen und Leistungen in die regionale Wirtschaft.

Mit attraktiven Energieprodukten und Dienstleistungen gelinge es der ODR, ihre Kunden von der Leistungsstärke und Qualität der ODR zu überzeugen. Trotz des starken Wettbewerbs habe das Unternehmen eine hohe Kundenbindung. Bei den Industriekunden im Segment Strom und Gas wurden Kunden hinzugewonnen. Während im Privatkundenbereich Strom die Kundenzahl leicht rückläufig war, erfreut man sich im Privatkundensegment Gas über Kunden- und Absatzzuwächse.

Neben dem etablierten Netz- und Vertriebsgeschäft will die ODR im Dienstleistungsgeschäft weiter wachsen. Erfolgreich sei man schon bei den netznahen Dienstleistungen, wie beim Stations- und Anlagenbau, dem Leitungsbau, der Netzbetriebsführung und der Straßenbeleuchtung. Deutlich stärker ausbauen will man die energienahen Dienstleistungen. Dazu zählen Energiekonzepte, Erzeugungsanlagen, Speicher und die Direktvermarktung des Stroms aus erneuerbaren Energien. Im ODR-Gebiet haben rund 25.600 Netzkunden eine eigene Erzeugungsanlage. Um den Eigenverbrauch der Kunden wirtschaftlich zu optimieren, habe man gemeinsam im EnBW-Campus das intelligente Steuergerät EnergyBase entwickelt. Es steuert die Stromflüsse zwischen Erzeugung, Speichern und Verbrauchsgeräten. Die Stärke der ODR liege bei den sogenannten Smart-Energy-Anwendungen. Mit dem Portfolio „Nachhaltige Kommune“ entwickelt die ODR mit ihren kommunalen Kunden klare Konzepte zu den Themen erneuerbare Energien, kommunales Energiemanagement, Klimaschutz und Stadtentwicklung.

Die langfristige Sicherung von Strom- und Gaskonzessionen bilde die Basis des Geschäftserfolgs. Die ODR halte derzeit 112 Strom- und 68 Gaskonzessionen. Hinzu kommen Beteiligungen an Stadtwerken und Netzgesellschaften. Für die ODR spreche die starke Verankerung in der Region, ein sehr gutes kommunales Beziehungsmanagement sowie die optimale Verbindung von Strom, Gas und Telekommunikation. Die Versorgungszuverlässigkeit in den Strom- und Gasverteilnetzen sei für eine ländlich geprägte Versorgung auf einem hohen Niveau – eine bemerkenswerte Leistung der Mannschaften der ODR und der ODR-Netztochter, der Netzgesellschaft Ostwürttemberg DonauRies GmbH (Netze NGO). Insgesamt wurden 21,7 Millionen Euro ins Stromnetz und über neun Millionen Euro ins Gasnetz investiert. Zusätzlich hat die ODR 2015 rund 2,6 Millionen Euro in die passive Telekommunikationsinfrastruktur und etwa 2,5 Millionen Euro in die Informationstechnik und sonstige Aktivitäten gesteckt. Große Projekte in den Umspannwerken Brenz, Herbrechtingen und Niederstetten wurden 2015 fertiggestellt.

Derzeit sind rund 25.600 EEG-Anlagen am Netz. Insgesamt wurden 2015 etwas über 1.100 GWh Strom ins Netz der NGO eingespeist. Das entspricht rund 50 Prozent der insgesamt im Netz abgesetzten Energie an Letztverbraucher. Damit hat die ODR laut Vorstand das Ausbauziel der Bundesregierung für 2025 mit 45 Prozent in der Region bereits heute übertroffen. Die Vergütung an die Einspeiser betrug 286 Millionen Euro. Die Windenergie solle zum erfolgreichen Gelingen der Energiewende einen großen Beitrag leisten. Inzwischen habe man Pachtflächen für 50 regionale Windkraftanlagen in neun Windparks für eine Gesamtleistung von bis zu 162 Megawatt gewonnen. Zwei weitere Windparks seien in der Ausschreibung.

Mit der überdurchschnittlich hohen Ausbildungsquote von zwölf Prozent habe die Ausbildung junger Menschen bei der ODR einen hohen Stellenwert. 2015 bot die ODR insgesamt 48 Auszubildenden und Studenten aus der Region einen Ausbildungs- oder Studienplatz an dualen Hochschulen an. Mit ihrem Modell „Stunden- und Geldspende“ im Rahmen der Aktion „Sehen und helfen“ ist die ODR einmalig in der Region unterwegs. Mit einem Spendenbetrag von 29.000 Euro haben Mitarbeiter und Führungskräfte, einen neuen Rekord erreicht. Das Geld kommt 25 sozialen Einrichtungen zugute. Auch Betriebliches Gesundheitsmanagement wird bei der ODR groß geschrieben.

Wie in den Vorjahren erhalten die rund 200 Kleinaktionäre eine Garantiedividende in Höhe von 3,39 Euro je Stückaktie. Mit der Konzernmutter besteht ein Ergebnisabführungsvertrag.

Im Hinblick auf die Zukunft stehe die Konzessionssicherung ganz weit vorne. Auch die Weiterentwicklung des Dienstleistungsangebots sei von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Darüber hinaus wolle die ODR ein anerkannter Windkraftinvestor sein. Insgesamt beurteilte Hose die weitere wirtschaftliche Entwicklung der ODR als positiv.

Für den ausgeschiedenen Aufsichtsrat Franz Retzer wählte die Hauptversammlung Dr. Martin Konermann, Geschäftsführer der Netze BW GmbH, Stuttgart, einstimmig in das Aufsichtsratsgremium der ODR. 

Daten und Fakten 2015 (Vorjahr in Klammer):

Umsatz:               429,4 Mio. € (449,6 Mio. €)

Bilanzsumme:      324,2 Mio. € (353,9 Mio. €)

Eigenkapital:        115,4 Mio. € (115,4 Mio. €)

Stromnetz:           12.684 km (13.756 km)

Erdgasnetz:            1.816 km (1.619 km)

Investitionen:        36,0 Mio. € (30,4 Mio. €)

Mitarbeiter:           391 (370)